Im Jahr 1944 wurde dann Dresden bombardiert und ich habe sie aus doch sicherer Entfernung miterlebt. Ich sah es, ohne zu wissen oder auch nur zu erahnen, was das für die in der Stadt lebenden Betroffenen bedeutete. Ich kam alleine aus Berlin, wo mich unser Vater in den Zug nach Hohenbocka gesetzt hatte – warum in einem Zug in Richtung Dresden? Ich weiß es nicht, musste jedoch irgendwann umsteigen. Plötzlich hielt der Zug auf freier Strecke mehr oder weniger abrupt an. Alle Lichter im Zug wurden gelöscht und wir waren schon so weit in Stadtnähe, dass wir den Grund sehr schnell erkennen konnten. Der Himmel vor uns über der Stadt war taghell. Die Briten hatten wie immer bei ihren Nachtangriffen vorher über den jeweiligen Zielen – diesmal über Dresden – brennenden Phosphor in riesigen Mengen abgeworfen. Von uns wurde sie zynisch als Weihnachtsbäume bezeichnet. Es waren schon riesige Flammen zu sehen, die hoch in den Himmel schossen. Uns über uns das gewaltige Brummen von weiteren Bombern, die man sogar im Schein der Feuersbrände erkennen konnte. Dazu sah man nur noch schamhaft vereinzelt die Flakabwehr. Der Zug blieb eine ganze Weile stehen, um sich dann langsam rückwärts bis zu einem größeren Bahnhof in Bewegung zu setzen.
