Vater hatte einen guten Bekannten in der Partei, den ich damals nie einschätzen konnte. Ich war zu jung. An ihn sind daher nur wenig Erinnerungen geblieben. Unseren Vater nach dem Krieg auf ihn angesprochen hat er sich darauf beschränkt zu sagen, „Er war ein kluger Kopf und doch ein armer Irrer- aber immer vertrauenswürdig und zuverlässig“. Man konnte ihm wohl kaum die Intelligenz absprechen, da er Entwicklungsingenieur bei VW war, bevor er dann bei den Nazis den Titel „Reichspropagandredner im Range eines Gauleiter“ innehatte. Also ein richtiger Goldfasan in brauner Uniform mit viel Gold. Er kam aber oft in Zivil und unsere Familien hatten miteinander lockeren Kontakt. Seine gleichaltrigen Söhne waren meine Spielkameraden.

1945 – die Russen standen praktisch vor Berlin und Robert saß in seiner vollen Goldfasan-Uniform zusammen mit unserem Vater bei uns im Wohnzimmer und sprach über das auf uns Zukommende. Er war kurz davor, sich auf den Weg in Richtung Franken zu machen, wohin er seine Familie bereits vorher in Sicherheit gebracht hatte. Nur eines ist bei mir hängengeblieben. Auf die Frage unseres Vaters, „Robert, hast du dir schon die Laterne ausgesucht, an der du hängen wirst?“, antwortete Robert, „Bruno, haben wir denn so viel falsch gemacht? Wir wollten doch nur das Beste!“. Robert ist in Bayern nie angekommen. Ich weiß nicht, von wem oder wann wir gerüchtweise dann hörten, dass er auf dem Weg dorthin, möglicherweise wegen der vollen Uniform, erschlagen worden sein soll.