
Es war das Jahr 1941 und wir waren nach dem Tod eines Cousins, der in Frankreich als Offizier ums Leben gekommen war und dem darauf folgenden Nervenzusammenbruch der Tante ins Kleinwalsertal gezogen. Es war die Zeit der Verherrlichung von Friedrich II. – auch Friedrich der Große oder der Alte Fritz. Es gab zahllose Filme mit Otto Gebühr als König. Natürlich ging es hauptsächlich um seine kriegerischen Taten und letztendlich immer seine Erfolge, seine Tapferkeit und die Tapferkeit seiner Soldaten im Gesichte einer Übermacht an Gegnern. Aus heutiger Sicht waren es natürlich bereits „Durchhalte-Filme“. Seinerzeit noch historisch unbeleckt und kritiklos war ich total begeistert und davon eingefangen. Ich habe keinen Film ausgelassen und alle regelrecht verschlungen. Der Alte Fritz und seine Zeit waren und sollten eben ein Vorbild sein. Meine Begeisterung ging dann wohl ein bisschen zu weit. Ich kann mich an den Inhalt des Films nicht mehr erinnern. Er war jedenfalls so spannend, dass ich alles um mich herum vergessen habe. Ich muss plötzlich mitten im Film dringend pullern. Ich konnte nicht, ich wollte nicht und bin dann auch nicht aufgestanden, um auf die Toilette zu gehen – aus Angst, etwas von dem Film zu versäumen. Und so habe ich mir für den Alten Fritz kräftig in die Hose gepullert.
Es war ein strenger und harter Winter. Und es war ein langer Weg nach Hause. Ich erinnere mich, dass trotz der Körperwärme Teile meiner Kleidung steif gefroren waren. Ich find mir damit eine saubere Erkältung ein, die mich mehrere tage mit angeblich notwendig gewesener ärztlicher Behandlung ins Bett verbannte.
