Von den Russen besetzt, also noch vor der Teilung Berlins unter den Alliierten, war das Leben jedenfalls so weit normal, dass man mit der S-Bahn von Berlin nach Potsdam ohne Kontrollen fahren konnte. Die Firma Permutit, für die unser Vater tätig war und die Wasser aufbereitete, hatte von einer Schnapsbrennerei in Potsdam den Auftrag – ich bin mir nicht ganz sicher – zur Erneuerung, Instandsetzung oder Erweiterung der Anlagen.
Die Schnapsbrennerei befand sich in Potsdam am Stadtkanal. Wie bezahlt worden ist, dass weiß ich nicht – ein Teil jedenfalls and unseren Vater mit Schnapslieferungen. Diese waren zum Tausch gegen Lebensmittel. Und dabei kam ich ins Spiel. Mehrere Male musste ich nach Potsdam, um mit dem Rucksack Schnapsflaschen abzuholen. Ich erinnere mich nur, den Betreiber und den irgendwie damit in Verbindung stehenden russischen Offizier jedes Mal besoffen angetroffen zu haben. Eines Tages stand dann doch ein Lieferwagen vor unserer Wohnung in Berlin und mehrere Kisten mit grünem Glühwürmchen-Schnaps wurden ausgeladen. Die standen lange Zeit in unserem Schlafzimmer unserer Eltern gestapelt zum Tausch mit Lebensmitteln.
