Es war wieder Winter und unsere Schule spendierte uns eine Klassenfahrt in den Harz. Unser Fahrtenleiter – ein Lehrer, bei dem ich noch nie Unterricht hatte – war recht maulfaul, aber zu seinem Credo gehörte auch körperliche Ertüchtigung. Und das bei einer Truppe von überwiegend absolut unsportlichen Typen. In diesem Jahr gab es auch noch sehr viel Schnee, der mehr als kniehoch lag. Da gab es gleich am ersten Tag eine mehrstündige Wanderung. Es ging gleich nach dem Frühstück los und mit – „Auf, meine Herren, zum Spaziergang. Gelobt sei, was hart macht.“ – stellte er klar, was er darunter verstand. Er war ein großer kräftiger Kerl mit riesigen Füßen und stapfte vorneweg. Wir mussten wohl oder übel ihm in dem tiefen Schnee hinterhermarschieren. Ganz klar waren die meisten unter uns nach so einem halbtägigen March erschöpft.
Nur ich und ein anderer Klassenkamerad hatten Ski mitgenommen und wird durften auf einem der nächsten Märsche auf Skiern den Rückweg durch die verschneite Landschaft allein suchen. Wir ahnten nur die Richtung, die entlang des „Zonenrandgebiets“ zur Ostzone führte, die zu der Zeit schon mit einem Zaun streng bewacht wurde. Vor dem standen wir dann auch einige Male, da wir uns gründlich verlaufen hatten. Die gewollte Skitour wurde zur Tortur. Erst abends im Dunkeln kamen bei unserer Jugendherberge wieder an und gingen direkt ohne Abendessen ins Bett.
Aber auch hier verging die Klassenfahrt nicht ganz ohne Späße, diesmal ohne mein Zutun. Ich erinnre mich nur noch einen dieser Späße, da er mich direkt betraf. Mein Kamerad und ich waren noch im Tiefschlaf nach unserer Gewalttour, als einer meiner Klassenkameraden den Moment dazu nutzte, uns einen wenig geistreichen Streich zu spielen. Er schmierte Marmelade und Honig in unsere Handschuhe. Beim Anziehen am nächsten Tag hatten wir dann die Pampe an den Händen und die Handschuhe waren müllreif. Der Schuldige war schnell an seinem Grinsen zu erkennen. Konsequenzen gab es nicht sofort, die Rache folgte dennoch auf dem Fuße – wenn auch erst bei der passenden Gelegenheit. Wir hatten gerade wieder mal einen dieser Gewaltmärsche mit unserem Lehrer hinter uns gebracht und fielen alle müde in unsere Kojen. Darauf hatte ich gewartet…
Ich hatte eine Pampe aus allerlei klebrigem Zeug – Schuhcreme, Zahnpasta usw. – angerührt und dazu noch einen Schüssel mit handwarmem Wasser vorbereitet. Zuerst habe ich ihm mit Andacht die Pampe vorsichtig ins Haar geschmiert, ohne ihn aufzuwecken. Dann plätscherte ich mit warmen Wasser und ließ langsam seine Hand reingleiten. Der Erfolg war wie gewünscht und gewollt – nicht nur seine Hand war feucht, er hatte sich zudem in die Hose gepullert. Mit stinkender Hose und verklebten Haaren waren intensive Reinigungsversuche vorprogrammiert und der Spot aller Klassenkameraden war ihm sicher. Er war natürlich total wütend, wagte es jedoch nicht, sich mit mir anzulegen, da ich ja damals schon sportlich sehr aktiv war. Unser Lehrer zog es vor, nur zu grinsen.
