Während wir in der früheren Kriegsjahren die ersten Luftangriffe der Briten nur in der Nacht erlebten, änderte sich das mit dem Eintritt der Amerikaner in den Krieg – besonders gegen Kriegsende, als wir vor den heranrückenden Russen bereits nach Berlin zurückgekehrt waren. Auch wenn wohl für jeden vernünftigen – natürlich nicht laut ausgesprochen, um nicht gleich gehängt zu werden – der Krieg für uns verloren war, bombardierten uns die Amerikaner immer munter weiter. Sie konnten und flogen auch ungeniert am Tage deutlich sichtbar in riesigen Formationen mit ihren Bombern über die Stadt. Unser Vater und ich standen dann auf der Straße und konnten nur interessiert staunen – warten, wo das Angriffsziel lag – und hoffen, dass der Kelch an uns vorbeiging. Wir hatten diesen Luftangriffen nichts mehr entgegenzusetzen.
Meist flogen die Amis zu hoch, sodass sie von unserer Flak nicht erreicht werden konnten. Wenn es überhaupt noch eine Flakabwehr gab, dann war diese geradezu deprimierend schwach. Und Jagdflugzeuge hatten wir in der Heimat offensichtlich auch kaum noch, Und dich habe ich in dieser Zeit meinen einzigen Luftwettkampf zu sehen bekommen.
An diesem Tag flogen die Amis gelassen dahin, als auf einmal von weiter oben einige Jagdflieger – ich bin mir sicher, es waren nicht einmal fünf – auf die Bomberformation schossen. Sie attackierten die Bomber immer wieder von allen Seiten, die sich mit ihren Bordkanonen wehrten. Sie schafften es tatsächlich, eine ganz Anzahl von Bombern abzuschießen. Entweder gingen diese in der Luft in Flammen auf oder platzten auseinander, andere stürzten senkrecht ab oder versuchten offensichtlich eine Notlandung. Auch einige Jagdflugzeuge traf es in gleicher Weise. Und in diesem ganzen Geschehen hingen abgesprungene Fliegersoldaten an ihren Fallschirmen, um dem Geschehen zu entkommen. Plötzlich drehten unsere restlichen Flugzeuge ab und verschwanden, worauf unser Vater lakonisch meinte, dass denen wohl das Benzin ausgegangen sein muss.
